Fold in the Dark – Kolumne von Udo Gartenbach

Fold in the Dark - Kolumne von Udo Gartenbach

Nein, der Bettnässer mit dem Hoodie auf Seat 1 ist es nicht. Und der stets pseudoenglisch brabbelnde Sonnenbrillenträger auf Platz 3 auch nicht. Und der so unglaublich lustige Vogel mit dem Stoffhamster als Glücksbringer wäre auch zu offensichtlich.
Und nein, es sind auch nicht die Fische auf 2, 5 und 7. Der Typ auf Seat 9 ist eh nicht mehr zu berücksichtigen; mit seinem halben Big Blind. Den Bluff eben hat er mal so richtig in die Grütze geritten. Aber mal so ganz richtig. Lehrbuch, Seite 3. Da ist die Gier mit ihm durchgegangen. Die verführerische Begierde nach Chips und dicken Hoden.

Nicht wahr, sei ehrlich, das kommt dir bekannt vor. Lüg mich nicht an. Das kommt dir sehr wohl bekannt vor. Denn am Ende des Spiels und auch am Ende des Tages sind du und dein fast schon dämonischer Trieb nach Triumph dein größter Gegner am Tisch. Ja, du bist wohl dein größter Gegner am Tisch. Glaube es und zeichne kein hochfalsches Bild von dir und deinen Künsten.

Das Wollen des Nichtmöglichen. Die Phantasie geht mit dir durch. Es tut manchmal weh, es ist voller Schmerzen. Auch wenn es lediglich die Sehnsucht nach etwas Glanz war. Du standest dir mal wieder selber im Weg.
Erlange Kenntnis von der Unfähigkeit. Atme dreimal ruhig ein; besinn dich deiner Kräfte und folde. Geh eine rauchen, bring ein Glas Alkohol mit und fang von vorne an. Gilt auch für Nichtraucher und Alkoholverweigerer. Denke leichthin, denke weder an das Böse noch an die vergangene Hand. Und hab freudig erregten Spaß an der Sache. Und lass Augenblicke der Wahrheit und Klarheit aufleuchten. Halleluja. Sei egoistisch und bekämpfe deinen inneren Schweinehund.

Bring dich in eine Stimmung des Hochgefühls; empfänglich für Selbstreflektion. Und verwechsle nicht Selbstkritik mit Selbstbeschuldigung; wenn es mal wieder in die bekannte Hose gegangen ist. Ersteres ist vonnöten. Erkenne, das nur du dich schlagen kannst. Und natürlich der Turn. Und der River. Aber sonst niemand. Auch nicht der Kapuzenpullovertragende Bettnässer auf Seat 1. Der schon mal gar nicht.

So, genug für heute mit den philosophischen Auswüchsen und der praktischen Lebenshilfe. Ich muss Gassi gehen.

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Author: Ian Fox